Tapetenwechsel: Texte & Chansons von Hildegard Knef

Als Chansonnière und Schauspielerin ist Hildegard Knef nach wie vor präsent, als Schriftstellerin hingegen weitgehend vergessen. Das will der SeeLeser mit der Sängerin Eleonore Hochmuth zusammen ändern. In der musikalischen Lesung „Tapetenwechsel“ präsentieren die beiden Lyrik, Prosa und Chansons des künstlerischen Chamäleons Knef.
Das Künstlergespann lässt das Wort in all seinen Klangfarben wirken. Aufgrund ihrer inhaltlichen und sprachlichen Originalität sind Knefs selbst getextete Chansons im Grunde gesungene Gedichte. So werden neben den klassischen Gedichten aus dem Band Tapetenwechsel etliche Lieder gelesen, manche davon zusätzlich gesungen. Über die warme, schmeichelnde Kontraaltstimme von Eleonore Hochmuth entfalten sich dann weitere Bedeutungsebenen. Die Tübinger Chansonsängerin, Schöpferin der bundesweit gespielten Reihe „Chansons & Biografisches“, legt wie Knef von jeher besonderes Gewicht auf Sprachgestalt und Inhalt.
Menzel fächert das ganze Spektrum von Knefs Schreiben zwischen Lyrik und Prosa auf. Im Weltbestseller Der geschenkte Gaul erweist sich Knef als scharfsichtige und -züngige Beobachterin, deren lebendige Beschreibungen intensive Bilder entstehen lassen. Ganz in seinem Element ist der Kabarettist, wenn er das tumbe Dialogskript für die Probeaufnahmen inszeniert, die 20th Century Fox der Rollenanwärterin abverlangte. Apokalyptische Szenen aus den Berliner Straßenkämpfen, an denen Knef als Mann verkleidet teilnahm, werden gegen hanebüchene Auftritte von Ärzten im zweiten Buch, Das Urteil, geschnitten. Hier zeigt sich, was Vorlesekunst vermag.
Knefs schnoddrig distanzierter Stil erinnert an das Hemingwaysche Eisbergprinzip, wonach Wesentliches ungesagt bleibt. In Eleonore Hochmuths Gesang treten demgegenüber die emotionalen Farben des Lebens leuchtend hervor, Überschwang wie Schmerz bekommen einen tief berührenden Grundton. So wird Tapetenwechsel in dieser Inszenierung insbesondere als Wechselspiel der Kunstgattungen erfahrbar. Das stimmgewaltige Duo Menzel – Hochmuth wirft mit seinem Dialog des Gegensätzlichen in Inhalt, Form und Medium ein nie dagewesenes Licht auf Hildegard Knefs Wortklangkunst.
Termine 2026
- Sa, 30. Mai, 20 Uhr, Lindau, Parktheater, Tickets 15,- €/12,- €; Vorverkauf über kino-lindau.de und die Kasse des Parktheaters, Reservierung auch hier:
